Opal

Gestern kam schon mein Opal-Ring an und wir dürfen uns erstmal aneinander gewöhnen. Auf den ersten Blick wirkt der Opal recht unscheinbar und sein Leuchten, seine Schönheit sind kaum wahrnehmbar. Erst bei genauerer Betrachtung offenbart er seine Schönheit und seine Farben. Irgendwie erinnert er mich an mich selbst. Es ist, als sei er der materielle Ausdruck meines Selbst. Mir wird oft gesagt, daß die Menschen mich anfangs kaum oder gar nicht wahrgenommen hätten. Erst, wenn sie mich näher kennen lernen, können sie kaum noch verstehen, wie sie mich übersehen konnten. Auf den ersten Blick wirkt der Opal einfach trüb weiß.
Es fühlt sich an, als würde Mutter Erde mich mit meiner eigenen Schönheit versöhnen wollen. Als würde sie sagen: „Schau hin mein Kind, dieser Stein ist wie du. Du bist wunderschön. Allerdings können das nur die Menschen erkennen, die genau hinsehen.“  
Es ist, als würde Mutter Erde mich trösten wollen, weil ich oft damit hadere, daß ich nicht so auffällig, laut und bunt bin. Oft rüge ich mich selbst dafür, daß ich nicht mehr Werbung für mich mache, nicht mehr in die Öffentlichkeit gehe. Ich vertraue lieber darauf, daß sich alles ganz natürlich fügt und ich mitwachsen kann.
Als hochsensible Frau brauche ich viel Ruhe und Rückzug, daß es mit gut geht.
Bis vor einiger Zeit habe ich noch versucht, so zu sein, wie alle anderen. Auch heute tappe ich noch hin und wieder in diese „Falle“. So sein, wie alle anderen – normal sein….. Das kann ich nicht. Davon werde ich krank.
Seit mittlerweile 8 Monaten, lebe ich sehr zurück gezogen und erhole mich von den Folgen des funktionieren wollens, des ignorierens der eigenen Bedürfnisse. Ich habe mir selbst versprochen, daß ich besser auf mich achte – jetzt. Und doch gibt es hin und wieder Tage, an denen ich ein schlechtes Gewissen habe, daß ich nicht funktioniere, momentan kein produktives Mitglied der Gesellschaft darstelle. So wie in den vergangenen Tagen.
Gerade sitze ich auf meiner Terrasse, hebe manchmal den Blick von meinem Buch, in das ich diese Worte schreibe, wenn der Wind durch die Bäume weht und mir Mutter Erde auf diese Weise zärtlich über die Haut streicht. So zärtlich und liebevoll, daß es mich weinen läßt. Weinen über die Härte, die ich mir selbst oft antue, anstatt mich selbst voller Zärtlichkeit und Liebe anzunehmen.
Daran darf mich dieser wunderschöne Opal erinnern.

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